Inselhüpfen im Golf von Thailand

Thailand in der Monsumzeit. Es kann gutgehen, muss aber nicht. Nachdem die Westküste überflutet wird, wechsle ich auf die thailändische Golf-Küste. Ich starte meine Island-Hopping Tour auf Koh Phangan -der mittleren der drei Haupt-Urlaubsinseln im südlichen Golf von Thailand. Der Hauptgrund, warum ich in der Mitte anfange, ist die natürlich monatliche Full Moon Party. Ich habe natürlich zunächst nur den Vorwand Travel-Recherche und reisejournalistische Neugier vorgeschoben und meine Erwartungen gingen gegen Null. Aber ich muss sagen: Die Full Moon Party war ein totaler Volltreffer und eine der besten Parties auf denen ich seit langer Zeit war!

Auf Koh Phangan kann man nett Urlaub machen. Die Strände sind hübsch und ruhig (abgesehen vom Partystrand Hat Rin im Südosten), man kann günstig und strandnah wohnen, die Insel ist ruhig, voller Palmen und Regenwald. Perfekt für einen kurzen Strandurlaub.

Koh Phangan soll DIE Backpackerinsel und Hippie-Hochburg in Südthailand sein. Aber komisch, so richtig das Backpackerflair will hier nämlich nicht aufkommen. Ja, es gibt jede Menge junger Leute hier. Aber das sind entweder Partypeople oder Pärchen, die einen ruhigen Urlaub wollen. Wo sind die Individualreisenden und Abenteurer hin?

Hier ist einfach nicht die Infrastruktur für Backpacker, die andere Backpacker treffen wollen, vorhanden. Die Übernachtungsmöglichkeiten beschränken sich zu 99% auf Resorts und Strandbungalows, in denen man so viel Raum und Privatsphäre hat, dass man praktisch nicht mal seine Nachbarn kennt. Super social ist das nicht gerade. Aber was soll’s. Ich mache das beste draus. Socializing auf der Full Moon Party muss fürs Erste reichen.

Abgesehen von der Full Moon Party, ist ein Tauch-Trip zum Seal Rock mein Highlight auf Koh Phangan. Es handelt sich dabei um einen Fels, der ungefähr mittig zwischen Koh Phangan und Koh Tao aus dem Meer ragt. Ich habe noch nie solche großen Schwärme von Fischen gesehen. Barracudas, Snapper, Zackenbarsche, aber hergekommen bin ich wegen etwas anderem…

Haien!

Es ist mit nichts bisherigem zu vergleichen. Fische, Rochen, Schildkröten – alles ganz nett aber echte Haie, die Könige der Meere, die elegant und wendig durch das Wasser gleiten, sind der Traum eines jeden Tauchers. Bisher habe ich „nur“ kleine Riffhaie gesehen, aber die Bullenhaie hier sind rund 2 Meter lang. Nein, sie tun Menschen nichts. Sie ernähren sich nur von kleinen Fischen. Es gibt dir dennoch einen echten Kick, mit diesen wunderschönen Kreaturen zu tauchen.

Es geht weiter nach Koh Samui. Neben Phuket DIE Touri-Insel in Thailand schlechthin. Hierher verirren sich überwiegend Pauschaltouristen, die hauptsächlich wegen Strand, Shopping und Party und Thai-Prostituierten (das ist nun mal die Realiät) da sind. Samui ist die größte der Golf-Inseln und es ist mehr los als auf Koh Phangan. Die Urlauber residieren überwiegend in (für Thailand-Verhältnisse) teuren Resorts. Irgendwie kriege ich es dennoch hin, ein cooles Budget-Hotel / Hostel zu finden.

Chaweng, der längste und beliebteste Strand der Insel überzeugt mich nicht wirklich. Er ist zwar sehr lang, breit und feinsandig aber komplett vollgepackt mit Resorts, Bars und Plastikliegen. Die Urlauber liegen dicht an dicht in ihren Strandliegen, nippen an ihren Cocktails, lassen sich von der Musikanlage ihrer Hotelbar beschallen und werden pausenlos von den fliegenden Händlern, Eiskremverkäufern und Massage-Ladies belästigt. Schaut nach einem super entspannten Urlaub aus. Ich halte es hier keine 20 Minuten aus.

Die zum Strand parallel verlaufende Straße in Chaweng ist die Kommerzhauptschlagader von Samui und ein Paradies für Shoppingsüchtige. Hier gibt es einfach alles. Souvenirs, Klamotten, Schmuck und insbesondere sehr echt aussehende Fakes. Prada, LV, Burberry, Chanel… alle Luxuslabels der Welt… und natürlich cheap cheap!

Am nächsten Tag schwinge ich mich auf mein Motorbike und schaue was der nördliche Strand kann. Ja, das ist schon eher nach meinem Geschmack! Kein Plastik, keine nervigen Soundanlagen… ein perfekter fast menschenleerer Chill-Beach. Ein paar kleine Bungalows liegen versteckt hinter einer Reihe von Kokospalmen. Das Meer ist türkis und wunderbar warm. Mit Blick auf blauen Himmel, Ozean und Koh Phangan lassen sich hier ganz easy ein paar seeehr entspannte Stunden verbringen… jaja… ich hab’s schon schwer!

Neben dem ganzen Massentourismus hat Samui aber noch eine eigene Identität und Kultur beibehalten. Man muss nur ein paar Meter abseits von den Haupt-Touri Straßen laufen und stößt auf Stände mit authentischem Thai-Food, Märkte und Tempel.

Ich liebe es, die Touri-Welt zu verlassen, mich unter die Locals zu mischen und sich gegenseitig ein wenig abzuchecken. Thais, die nicht in den touristischen Etablissements arbeiten, sprechen leider oft nur wenig bis gar kein Englisch. Die meisten begegnen einem dennoch mit Interesse und großer Freundlichkeit.

Koh Tao ist die kleinste und nördlichste der drei Inseln im südlichen Golf und das Tauchparadies Nr. 1 in Thailand. Junge Urlauber kommen scharenweise her, um sich zertifizieren zu lassen. Nirgendwo bekommt man den Tauchschein so günstig wie hier. Die Insel ist komplett auf die Erkundung der Unterwasserwelt ausgelegt.

Das haben auch Tim, Yi und Sissy vor. Die drei kommen einen Tag nach mir auf Koh Tao an. Das Wiedersehen feiern wir gebührend in der Bar Next Door, dem Hotspot (und meat market) des südlichen Strandghettos Chalok Ban Kao.

Außer Tauchen gibt es gibt auf Koh Tao wirklich gar nichts zu tun. Die Insel ist klein, hat grauenhaft schlechte Straßen, die aber die meisten Urlauber trotzdem nicht davon abhalten, wie bekloppt mit Motorbikes und Quads durch die Gegend zu heizen. Die Stimmung auf der Insel lässt sich mit einem Wort beschreiben: LAZY. Oder netter gesagt: Chillig. Die meisten Leute hängen einfach nur ab, wenn sie nicht gerade für ihren Tauchschein „lernen“. Die Insel ist prädestiniert für ein alternatives Aussteigerleben. Viele westliche Expats sind hier hängengeblieben und arbeiten überwiegend in Tauchcentern.

Koh Tao ist eigentlich wunderschön. Es gibt unzählige kleine Buchten mit hellem Sand, palmenbewachsene Hügel und tolle Aussichtspunkte.

 

Aber man merkt einfach, dass der Tourismus sich viel zu schnell entwickelt hat. Das Abwassersystem ist eigentlich keines. Alles was aus der Dusche kommt, fließt direkt ins Meer. Ich bin echt geschockt. Ins Wasser direkt am Chalok Ban Kao Strand geht niemand. Die Brühe schaut auch nicht wirklich einladend aus. Ich probiere einen Schnorchelspot an der Ostküste aus. Ein paar Fische und wunderschöne Korallen – leider zu 95% tot. Hier gibt es in Strandnähe einfach nichts zu sehen. Echt traurig.

Einen Tag bevor ich abreise, gehe ich noch ein letztes Mal tauchen. Ziel ist Chumphon Pinnacle, angeblich einer der besten Tauchspots um die Insel.

Es soll eine Chance geben, dort einen Walhai zu sehen. Ich habe eigentlich keine Erwartungen, denn darauf habe ich auch auf den Perhentians bei jedem Tauchgang gehofft – und er kam nicht. Aber dieses Mal haben wir Riesenglück. Der Hai erscheint plötzlich wie aus dem Nichts und kommt ganz nah an uns heran. Er ist ca. 5 Meter groß, und wird begleitet von mehreren „Putz-Fischen“. Beim zweiten Tauchgang ist meine Tauchgruppe ganz alleine mit dem Walhai. Er schwimmt irgendwann davon, um ein paar Minuten später direkt vor meiner Nase wieder aufzutauchen. Er schwimmt ganz langsam auf mich zu und an mir vorbei, zum Greifen nah, bis er wieder in die Tiefen des Ozeans verschwindet. Ein geradezu privater Moment zwischen mir und dem Hai. Dieses Erlebnis geht in die Top 3 meiner Reiseerlebnisse ein!

Koh Tao ist schön, entspannt, aber nach ein paar Tagen für mich ein wenig langweilig. Es gibt wirklich nichts zu tun außer tauchen, die Leute sind ein bisschen lazy, das Wasser ist platt und plätschert lieblich vor sich hin, einfach gar keine Action hier. Wer nur chillen will, für den ist Koh Tao der richtige Ort. Für mich sind 3 Wochen Inselleben mehr als ausreichend!

Es wird Zeit für Bangkok!!!

1 comment

  1. Thomas G.

    Liebe Alexandra, mal wieder ein kurzer Gruss aus dem herbstlichen Good Old Germany! Ich verfolge deinen Blog nach wie vor mit großen Augen und freue mich sehr, an deinen Erfahrungen und Erlebnissen teilzuhaben. Ich muss zugeben, ich beneide die werten Kollegen, dass sie dich getroffen haben. Sprecht ihr noch die selbe Sprache? Bleib gesund und herzliche Grüße, Thomas